BESTATTUNGEN IN ANDEREN KULTUREN


Bestattungsrituale in Deutschland dienen dem würdevollen Abschied von einem Verstorbenen und der Trauerbewältigung der Hinterbliebenen. In anderen Kulturen steht die sichere Reise des Verstorbenen ins Jenseits oder Paradies im Vordergrund. Wieder andere Kulturkreise richten ihre Bestattungsrituale nach dem Glauben an die ständige Wiederkehr der Verstorbenen aus.

Während im Islam der Verstorbene so schnell wie möglich beerdigt werden muss, gibt es auf den Philippinen Bestattungsrituale, die eine tagelange, manchmal auch wochenlange Aufbahrung des Leichnams zu Hause verlangen. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn ein wichtiger Angehöriger nicht vor Ort ist und anreisen muss. Die philippinische Bevölkerung ist zu über 90 % christlichen Glaubens. Dennoch beeinflussen auch Naturreligionen die Bestattungsrituale auf den Philippinen.

Bestattungsrituale in Tibet

Ein großes Ereignis in Tibet ist die Himmelsbestattung. Ist der Tod eingetreten, wird als Bestattungsritual die Paowa-Zeremonie zelebriert. Sie soll bewirken, dass die Seele des Verstorbenen aus dem Kopf in den Himmel fährt und nicht gen Hölle. Ein Wahrsager legt den Beerdigungstermin fest. Der Verstorbene darf zwischen Todeszeitpunkt und Beerdigung nicht den Boden berühren, denn dann muss seine Seele in dieser Welt bleiben. Am Ort der Himmelsbestattung wird ein Feuer aus Zypressenzweigen entzündet, das die Mönchsgeier (göttliche Adler) herbeiruft.

Bestattungsrituale in Indien

In Indien glauben die Menschen an die Wiedergeburt. Der Verstorbene bekommt von Priestern Mantren zugesprochen, damit sein Atman (Selbst, Seele) nicht im Körper bleibt, sondern aufsteigen und wiedergeboren wird. Hindus verbrennen ihre Verstorbenen und streuen die Asche in Flüssen aus. Männer und Frauen begehen die Trauerfeier getrennt voneinander. Innerhalb eines Monats nach der Bestattung findet das Shaddra-Ritual statt, eine Totenfeier, bei der ein männlicher Nachfahre des Verstorbenen Reisklöße opfert. Dieses Bestattungsritual erfolgt, solange es männliche Nachfahren gibt. Sie glauben daran, dass sie durch Ahnenverehrung die Form ihrer eigenen Wiedergeburt begünstigen können.

Buddhistische Bestattungen

Innerhalb des Buddhismus gibt es viele verschiedene Strömungen und somit auch unterschiedliche buddhistische Bestattungsrituale. Einige Gemeinsamkeiten gibt es dennoch. So werden in allen Richtungen und Schulen dieser Religion Erd- und Feuerbestattungen durchgeführt. Mönche und Angehörige versammeln sich um den Verstorbenen in seinem Haus. Sie halten eine Totenandacht und meditieren, die Mönche predigen Buddhas Lehren und geben seine Reden wieder. Von den Angehörigen bekommen sie Almosen. Sie sollen die Wiedergeburt des Verstorbenen günstig beeinflussen. Der Sarg oder die Urne wird bei der buddhistischen Bestattung in einem schmucklosen Grab beerdigt. An bestimmten Tagen kommen die Angehörigen dorthin, gedenken des Verstorbenen und hinterlassen Speisen und Getränke. Am ersten Todestag findet eine Feier zu Ehren des Verstorbenen statt.

Varianten bei einer buddhistischen Bestattung

In Tibet kennt man neben der Feuer- und Erdbestattung auch die Himmelsbestattung. Bei dieser Art wird der Verstorbene in freiem Gelände, im Tal des Buddha, abgelegt und durch herbeigelockte Geier in den Himmel getragen.
In Japan sind Feuerbestattungen üblich, die europäischen Sargbestattungen nehmen jedoch zu. Auch Bestattungen in Sitzsärgen sind in Japan üblich. Der Verstorbene wird mit dem sogenannten Paradiesseil in einer Sitzposition gehalten und senkrecht in die Erde gelassen. Je nach Religionsrichtung ist bei buddhistischen Bestattungen auch die fötale Haltung vorgeschrieben, um die Wiedergeburt zu erleichtern.
In ländlichen Gebieten findet die Verbrennung noch auf Scheiterhaufen statt. Männer bewachen stundenlang das Feuer, in dem Kartoffeln gegart werden, die dann Heilkräfte besitzen sollen.

Buddhistische Bestattungen in Deutschland

Grundsätzlich kann eine buddhistische Bestattung mit den entsprechenden Ritualen auf überkonfessionellen Friedhöfen stattfinden. Der Gestaltung des Grabmals sind jedoch Grenzen gesetzt, sofern es keine buddhistische Abteilung auf dem Friedhof gibt. Da in den Friedhofssatzungen auch das einheitliche Aussehen der Gräber enthalten ist, findet man Buddha-Statuen nur selten als Grabschmuck.
Vor der buddhistischen Bestattung ist die Aufbahrung zu Hause üblich. Ob und wie lange dies möglich ist, wird in den Vorschriften zur Hausaufbahrung (Verordnung über das Leichenwesen) der Bundesländer geregelt. Buddhistische Friedhöfe findet man in Berlin und Hannover. In zahlreichen weiteren Städten gibt es Friedhöfe mit buddhistischen Abteilungen.