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Berühmte Friedhöfe: Jüdischer Friedhof in Berlin-Weißensee

Zu den bekanntesten Friedhöfen, auf denen Verstorbene nach jüdischem Ritus bestattet werden, gehört der in Berlin-Weißensee. Angelegt im Jahr 1880, ist er heute der flächenmäßig größte jüdische Friedhof Europas. Er steht seit den 1970er-Jahren unter Denkmalschutz.

 Um 1875 war die Mitgliederzahl der Jüdischen Gemeinde in Berlin auf 65 000 angewachsen, und als sich die Vollbelegung des Friedhofs in der Schönhauser Allee abzeichnete, erwarb die Jüdische Gemeinde ein mehr als 40 Hektar großes Gelände in Weißensee zur Errichtung einer neuen Begräbnisstätte. Einen Wettbewerb für dessen Gestaltung gewann der Architekt Hugo Licht (1841 bis 1923). Die Anlage des Friedhofs und die meisten Gebäude gehen auf seinen Entwurf zurück. Die Gräber sind in 120 gitterförmigen Grabfeldern angeordnet, die unterschiedliche streng geometrische Formen wie Rechtecke, Dreiecke oder Trapeze haben. Die Felder sind alphabetisch und mit Nummern gekennzeichnet, von A1 am Haupteingang bis P5 am südlichen Rand. Das Gelände des Friedhofs ist weitestgehend mit Bäumen bestanden. Etliche Grabfelder besonders im rechten Friedhofsteil vom Hauptweg aus sind mit Efeu bedeckt. Es gibt nur wenige Bereiche ohne belegte Abteilungen. Entsprechend der jüdischen Tradition werden Grabstätten nicht wieder belegt. Vielmehr sind die Grabstätten bis zum Jüngsten Gericht Begräbnisflächen. Direkt am Eingangsbereich, hinter dem prächtigen schmiedeeisernen Portal, befindet sich eine Anlage zum Gedenken an die sechs Millionen Opfer des Holocausts. In der Mitte des Rondells steht ein zentraler Gedenkstein der Jüdischen Gemeinde zu Berlin mit folgender Inschrift: „Gedenke, Ewiger, was uns geschehen. Gewidmet dem Gedächtnis unserer ermordeten Brüder und Schwestern 1933 – 1945 und den Lebenden, die das Vermächtnis der Toten erfüllen sollen.“ Der Gedenkstein ist kreisförmig von weiteren liegenden Steinen mit den Namen von Konzentrationslagern umgeben. Hinter dem Rondell befindet sich die 1880 von Hugo Licht errichtete alte Trauerhalle, deren Akustik schon zur Zeit ihrer Einweihung gerühmt wurde. Der jüdische Friedhof in Berlin-Weißensee beheimatet etwa 11 600 Gräber, darunter zum Beispiel das des Schriftstellers Stefan Heym (1913 bis 2001), des Journalisten und Schriftstellers Theodor Wolff (1868 bis 1943) und des Verlegers und Gründers des S. Fischer Verlags Samuel Fischer (1859 bis 1934).